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  • 10.08.10 - Google plant das Zwei-Klassen-Internet

  • Google und Verizon stellen freies Internet in Frage

    Der Internetriese Google gibt den Grundsatz auf, Datenverkehr müsse im Internet gleich behandelt werden: Der Konzern argumentiert, dass das Prinzip der Netzneutralität zwar ein Segen für das kabelgebundene Netz sei - für die Funkverbindungen gelte das aber so nicht.

    Damit stellt Google die Gleichberechtigung der Datenströme im Internet in Frage. Google-Boss Eric Schmidt äusserte in einer Telefonkonferenz mit dem Chef des US-Telekommunikationsriesen Verizon, dass sich kein Anbieter eine schnellere Übertragung erkaufen können dürfe. "Das nächste YouTube, das nächste soziale Netzwerk braucht ein offenes Internet", sagte Google-Chef Schmidt in der Telefonkonferenz. Nur dank der Gleichberechtigung aller Teilnehmer habe das Internet in der Vergangenheit überhaupt einen derartigen Erfolg haben können, wie "Spiegel online" berichtet. 

    Zwei bedeutende Aussnahmen

    Netzanbieter übermitteln Datenpakete zwischen allen Internetteilnehmern gleichberechtigt, so wird kein Anbieter bevorzugt. Wenn es eng wird, sinkt die Übertragungsgeschwindigkeit für alle. Dieses Prinzip wird als Netzneutralität bezeichnet. Das solle auch alles so bleiben, argumentieren Google und Verizon - allerdings nur im kabelgebundenen Netz. Für neue Dienste sollen diese Grundregeln aber nicht gelten. Warum das bei neuen Diensten anders sein soll, führen die Konzerne nicht aus. Sie formulieren in ihrem bizarrerweise "Ein gemeinsamer Regulierungsvorschlag für ein offenes Internet" betitelten Text aber zwei bedeutende Ausnahmen für diesen Grundsatz der Offenheit.

    Zum einen sollen "zusätzliche Online-Dienste" von dem Prinzip der Gleichbehandlung ausgenommen sein. Bei solchen neuen Angeboten sollten die Telekommunikationsfirmen mit Inhalteanbietern zusammenarbeiten dürfen, um der "Innovation" willen. Zusammenarbeit kann hier auch Vorfahrt im Datennetz bedeuten.

    Die zweite grosse Ausnahme vom Grundsatz der Netzneutralität wünschen sich Google und Verizon im Mobilfunkbereich. Immer wenn Daten nicht durch Kabel, sondern per Funk übertragen werden, sollten die Telekommunikationsanbieter entscheiden dürfen, was wie schnell wohin gelangt. Warum? Weil dieser Markt "heftiger umkämpft ist und sich schnell wandelt".

    Erhebliche Beeinflussung

    Sollten Google und Verizon mit diesem Vorschlag bei den Regulierern durchkommen, dürfte das die Internetnutzung mittelfristig erheblich beeinflussen. Schliesslich verlagert sie sich immer mehr auf mobile Geräte wie Smartphones und Tablets. Google investiert in den Mobilmarkt, die Marktanteile des Google-Betriebssystems Android bei Smartphones steigen. Laut dem britischen Marktforschungsunternehmen Canalys wurden im zweiten Quartal 2010 weltweit 63 Millionen Smartphones verkauft - Android-Geräte haben Canalys zufolge daran einen Anteil von 17 Prozent und damit mehr als Apple (13 Prozent). Der Android-Anteil sei im Vergleich zum Vorjahr um 886 Prozent gewachsen.

    Welche Folgen die gemeinsame Erklärung von Google und Verizon für Kunden und das Netz hat, ist derzeit nicht abzuschätzen. Nur weil zwei grosse Unternehmen sich auf eine gemeinsame Linie verständigen, werden die Regulierungsbehörden diese Meinung nicht zwangsläufig übernehmen.

    Sollte der Grundsatz der Netzneutralität aber in Teilbereichen aufgeweicht werden, könnte dass irgendwann ganz einfach bedeuten, dass bestimmte Angebote schneller sind - zum Beispiel Videos, die man über Mobiltelefon bei YouTube aufruft. Wie solche bevorzugten Anbieter die Telekommunikations-Firmen für diese Sonderbehandlung entschädigen, ist offen. Vielleicht mit einer Beteiligung an den Werbeeinnahmen? Vielleicht mit Zahlungen? Es könnte auch sein, dass Kunden für bestimmte Internetdienste zusätzlich zahlen müssen.

    (Quelle: spiegel.de)


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